Interfilm Academy News

Eine Anklage gegen die Perversion der Macht

Stefan Preis und Franz Indra haben für Splatting Image, das „Magazin für den unterschlagenen Film“, einen Beitrag zu DIE 120 TAGE VON SODOM (Salò o le 120 giornate di Sodoma, 1975) geschrieben. Grundlage war ihr Hamburger Filmgespräch anlässlich des 50. Todestages des Regisseurs Pier Paolo Pasolini.

DIE 120 TAGE VON SODOM ist beim ersten Sehen wie ein Schlag ins Gesicht, obwohl er kaum krasse explizite Bilder enthält und Pasolini jeglichen Voyeurismus konsequent unterbindet. Erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennt man, was alles in ihm steckt – wie etwa die stille Anklage gegen Künstler, die sich mit dem Unrecht arrangieren, durch Pasolini, der sein Leben lang gegen alle Widrigkeiten und Gefährdungen zu seinen Prinzipien stand.

Es dürfte Pasolini auch weniger um das gegangen sein, was als Sadomasochismus bezeichnet wird. Dabei handelt es sich auch um etwas Anderes als die in de Sades Schriften geschilderten Ereignisse. Sie waren aber die Vorlage für Pasolinis eigentliches Thema: Präzise und unerbittlich zeigt er, wie im Faschismus Menschen zerstört werden. Die Gräuel der faschistischen Regimes im 20. Jahrhundert sind inzwischen nicht mehr so präsent, der Begriff Faschismus wird zunehmend beliebig verwendet. Gerade deshalb ist es heute wichtig, die Filme Pasolinis zu sehen und seine Schriften zu lesen.

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Für Filme, Serien und Stars hat Stefan Preis darober hinaus einen Artikel über Augen der Angst (1960) von Michael Powell geschrieben. Er geht dabei insbesondere auf Bezüge zu E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ ein. Am 24. Januar jährte sich Hoffmanns Geburtstag zum 250. Mal, weswegen übrigens auch gerade eine Sonderbriefmarke erschienen ist.

Prix Interculturel 2026 an Gloria Behrens

Die Interfilm-Akademie zeichnete am 31. Januar 2026 Gloria Behrens mit dem Prix Interculturel 2026 aus für ihr Gesamtwerk und ihr unermüdliches kulturpolitisches Engagement. Gloria Behrens ist eine Kämpferin für Frieden, ohne Respekt vor Konventionen, eine Aktivistin für den Erhalt der Schöpfung und Gerechtigkeit. Beeindruckend ist ihre hohe kommunikative Kompetenz, die Menschen aller Schichten und die verschiedensten Medien zusammenführt. Sie ist wie Wim Wenders Absolventin des A-Kurses, des allerersten Studienjahrs an der Hochschule für Fernsehen und Film München.

Preisträgerin Gloria Behrens und Eckart Bruchner, 1. Vorsitzender der Interfilm Academy Munich e.V.

26.02. Gautinger Filmgespräch: Mother’s Baby

Österreich / Deutschland / Schweiz 2025 | 107 min. | Regie: Johanna Moder | mit Marie Leuenberger, Hans Löw, Claes Bang, Julia Franz Richter
Donnerstag, 26.02.2026 19:30
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting

Gewinnerfilm des Fünf Seen Filmpreises beim Fünf Seen Filmfestival 2025

Die Isolation einer von ihrer Umwelt allein gelassenen Frau. Die 40-jährige Julia, eine erfolgreiche Dirigentin, und ihr Partner Georg wünschen sich ein Kind. Dr. Vilfort, Fruchtbarkeitsspezialist und Träger einer privaten Kinderwunschklinik, macht ihnen Hoffnung und empfiehlt eine experimentelle Methode. Durch eine erfolgreiche Behandlung in seiner Klinik wird Julia schwanger. Doch bei der Geburt kommt es zu Komplikationen: Julia darf ihr Baby nicht sofort in den Arm nehmen, stattdessen wird es umgehend zur Notversorgung in eine andere Klinik gebracht. Erst am nächsten Tag ist die junge Familie endlich vereint. Das Neugeborene sei trotz des Verdachts auf Sauerstoffunterversorgung kerngesund, wird Julia erzählt. Als sie es in den Händen hält, fremdelt sie zunehmend mit ihm.

Mehr und mehr wird die Anwesenheit des Babys zu einer Belastung für die Ehe, denn Julia hat Zweifel, ob das Baby, das sie nach Hause gebracht haben, wirklich ihr Kind ist. (Quelle: Kino)

Einführung und Diskussion: Filmpfarrer Eckart Bruchner

30.01. Münchner Filmgespräch: Taxi Teheran

Iran 2015 | 82 min. | Regie: Jafar Panahi | mit Jafar Panahi, Hana Saeidi, Nasrin Sotoudeh u.a.
Freitag, 30.01.2026 18:30
Münchenstift – Haus an der Effnerstraße, Effnerstr. 76 / 81925 München

Mit viel Herz und Humor zeichnet der damals vom Regime mit einem Hausverbot belegte Jafar Panahi ein liebevolles Porträt der Menschen in seiner Heimat. Ein Taxi fährt durch die lebhaften Straßen Teherans. Die Fahrgäste erzählen freimütig, was sie umtreibt: Ein Filmschmuggler vertickt die neuester Staffel von The Walking Dead und Filme von Woody Allen. Zwei alte Frauen wollen Goldfische in einer Quelle aussetzen, und ein vorlautes kleines Mädchen erklärt seinen Anspruch auf Frappucino und seine Nöte beim Verwirklichen eines Kurzfilmprojekts für die Schule.

Am Steuer sitzt der Regisseur selbst, der 2010 wegen „Propaganda gegen das System“ zu einem 20-jährigen Berufsverbot verurteilt wurde und nun geheimnisvoll lächelnd einen neuen Film kreiert. Denn eine auf dem Armaturenbrett versteckte Kamera hält alles fest.

Einführung und Moderation: Filmpfarrer Eckart Bruchner, Interfilm Academy Munich e.V.

29.01. Gautinger Filmgespräch: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Achtung: anstelle des ursprünglich für den 29.01. geplanten SILENT FRIEND!

Deutschland 2026 | 135 min. | Regie: Simon Verhoeven | mit Senta Berger, Michael Wittenborn, Laura Tonke, Devid Striesow, Anne Ratte-Polle, Friedrich von Thun, Tom Schilling, Victoria Trauttmansdorff, Karoline Herfurth u.a.
Donnerstag, 29.01.2026 19:30
Kino Breitwand Gauting, Bahnhofsplatz 2 / 82131 Gauting

Verfilmung des Bestsellers von Joachim Mayerhoff über seine Studienzeit in München, gedreht unter anderem in Gauting. Mit 20 wird Joachim unerwartet an der renommierten Schauspielschule in München angenommen und zieht in die Villa zu seinen Großeltern, Inge und Hermann. Zwischen den skurrilen Herausforderungen der Schauspielschule und den exzentrischen, meist alkoholgetränkten Ritualen seiner Großeltern versucht Joachim seinen Platz in der Welt zu finden – ohne zu wissen, welche Rolle er darin eigentlich spielt. (Quelle: Kino)

Der Film wurde zum Teil in Gauting gedreht. Senta Berger spielt die weibliche Hauptrolle unter der Regie ihres Sohns Simon Verhoeven. Ihr inzwischen leider verstorbener Ehemann Dr. Michael Verhoeven wurde 2023 von der Interfilm Academy Munich mit dem Ehrenpreis geehrt.

Einführung und Diskussion: Filmpfarrer Eckart Bruchner